Auswandern: Was wirklich auf der Checkliste stehen sollte
Das Wichtigste in Kürze
- Unsere Checkliste fürs Auswandern hatte über 100 Punkte – hier sind die wichtigsten ~90 davon
- Die größten Brocken: Krankenversicherung, Banking, Steuern und die Abmeldung aus Deutschland
- Alles hängt zusammen. Die Reihenfolge entscheidet über Zeit, Geld und Nerven
- Unsere Checkliste als kostenlosen Download
Uns war von Anfang an klar, dass Auswandern mehr ist als eine rein emotionale Entscheidung – und dass man nicht einfach die Koffer packt, eine Abschiedsparty schmeißt, um dann freudig in den Sonnenuntergang zu reiten. Klar: „Wohin will ich?“, „Wie soll mein Leben aussehen?“, „Was lasse ich zurück?“, all das sind wichtige Fragen, über die man sich Gedanken machen sollte, bevor man seine Siebensachen packt und sein Heimatland verlässt. Aber was davor kommt, danach und auch dazwischen ist vor allem eins: Organisation. Sehr, sehr viel Organisation.
Unsere eigene Checkliste fürs Auswandern hatte am Ende weit über 100 Punkte. Und das nicht, weil wir besondere Perfektionisten wären (ok, manchmal sind wir das), sondern weil es einfach wirklich so verdammt viel ist, was es zu bedenken, organisieren und umzusetzen gilt.
Hier sind die großen Brocken, die zwischen dir und deinem neuen Leben stehen – unsere ehrliche Checkliste, eingedampft auf rund 90 Punkte fürs Auswandern und wie du die Hindernisse aus dem Weg räumst.
Versicherungen fürs Ausland: Der Kampf gegen Windmühlen
Ja, die Krankenversicherung. Gefühlt ist das der Mount Everest der Auswanderer-Bürokratie. Und kaum fängt man an, steht man schon vor den ersten Grundsatzentscheidungen:
- Gesetzlich versichert? Dann musst du in der Regel kündigen. (Eine Ausnahme ist zum Beispiel die befristete Entsendung über den Arbeitgeber ins Ausland.) Aber was passiert, falls du zurückkommst? Einfach wieder in den Schoß der deutschen GKV schlüpfen, ist in vielen Fällen nicht so einfach möglich. Also kann eine Anwartschaft sinnvoll sein. Auf jeden Fall geht es um Entscheidungen mit riesigen Folgen, gerade fürs Alter.
- Privat versichert? Manche Tarife kann man behalten, auf eine Auslandsoption umstellen oder ruhen lassen. Andere nicht. Willkommen in der Service-Hölle der Hotlines.
- Und fürs Ausland? Du brauchst eine internationale Police, die nicht nur auf dem Papier gut aussieht, sondern eben im Ernstfall auch zahlt.
Man denkt, wenn das geschafft ist, hat man es überstanden. Doch das war nur die Spitze des Eisbergs. Denn dann geht der Spaß erst richtig los. Berufsunfähigkeitsversicherung: gilt die noch im Ausland?
Berufsunfähigkeits-, Pflege-, Haftpflichtversicherung – alles muss auf internationale Gültigkeit geprüft und im Zweifel gekündigt und neu abgeschlossen werden. Jeder einzelne Punkt ein Anruf, eine Mail, eine Abwägung. Und jeder geklärte Punkt ist ein riesiger Meilenstein auf dem Weg in die Freiheit.
Banken, Konten & Depots: Russisch Roulette mit deinem Geld
„Möchten Sie Ihr Konto behalten?“ So einfach klingt es in den meisten Ratgebern. In der Praxis ist die Frage eher: Darf ich es überhaupt behalten? Manche Banken und Broker akzeptieren keine Kunden ohne deutschen Wohnsitz. Manche tolerieren es stillschweigend (oder eben auch nicht). So hieß es nämlich bei einem unserer Broker am Telefon, das sei kein Problem und man müsse den neuen Wohnsitz nicht zwingend angeben. Sechs Monate nach der Abmeldung kam die Kündigung ins Haus geflattert.
Das hat uns zur wichtigsten Lektion in diesem ganzen Prozess geführt: Verlass dich NIEMALS auf nur eine Bank oder ein Konto.
Wer nur auf ein Konto setzt, spielt russisch Roulette mit seiner Liquidität. Du brauchst einen Plan B und am besten auch einen Plan C. Schieb das nicht auf, sonst verlierst du am Ende den Zugang zum eigenen Geld.
Steuern beim Auswandern: Der Endgegner
Wenn es eine deutsche Behörde gibt, die ein Elefantengedächtnis hat, dann ist es das Finanzamt. Es vergisst dich nicht, nur weil du am anderen Ende der Welt lebst. Für das Jahr des Umzugs will es noch eine Steuererklärung. Und je nachdem, was du in Deutschland zurücklässt (z. B. eine Firma), stehen plötzlich Begriffe wie „Wegzugsbesteuerung“, “beschränkte Steuerpflicht” oder “erweiterte beschränkte Steuerpflicht” im Raum, die dir den Schlaf rauben können, noch bevor du auch nur einen Fuß in ein anderes Land gesetzt hast.
Gleichzeitig will dein neues Heimatland dich natürlich auch als Steuerzahler begrüßen – mit einer neuen Steuernummer und einem System, das du erstmal verstehen musst. Das allein ist schon ein Abenteuer.
Wir haben für dieses Thema mehr Zeit, Geld und Nerven aufgewendet als für den gesamten Umzug. Und die wichtigste Erkenntnis war: Versuch nicht, das allein oder mit einem 08/15-Steuerberater zu lösen. Je nachdem, wie komplex deine Situation ist, brauchst du jemanden, der auf internationales Steuerrecht spezialisiert ist.
Behörden und Abmeldungen: Der offizielle Papierkrieg beim Auswandern
Die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt ist eine Sache von 15 Minuten. Man fühlt sich kurz frei, als wäre der deutsche Papierkram damit erledigt.
Doch es gilt noch andere Fragen zu klären: Was passiert mit der Rentenversicherung? Lässt du sie ruhen oder zahlst du weiter ein? Du musst deinen Elster-Account für die Zukunft sichern. Und wer liest eigentlich deine Post? Ein Scan-Service ist hier zwar Gold wert, aber trotzdem solltest du bei wichtigen Behörden, Banken und offiziellen Stellen einen armen Menschen in deinem Bekanntenkreis zum Empfangsbevollmächtigten für all die offiziellen Briefe ernennen, die trotzdem noch kommen werden.
Und unterschätz nicht den Faktor Zeit: Manche Kündigungsfristen laufen drei Monate, andere sechs. Die gute Nachricht: Bei vielen Verträgen greift ein Sonderkündigungsrecht, wenn du deinen Wohnsitz ins Ausland verlegst. Aber das gilt nicht für alles und du musst es einfordern. Fang früh genug an, dir einen Überblick zu verschaffen, welche Fristen und Sonderrechte für dich gelten.
Wohnung, Handyvertrag & Co.: Die große Abwicklung
Parallel zum Papierkrieg mit den Ämtern läuft die eigentliche logistische Operation: Dein ganzes Leben muss abgewickelt werden. Was passiert mit der Wohnung? Kündigen oder untervermieten (letzteres ist selten eine gute Idee)? Und was passiert mit dem liebgewonnenen Krempel, der sich über die Jahre angesammelt hat? Jeder einzelne Gegenstand in deinem Besitz braucht eine Entscheidung: Verkaufen, verschenken, einlagern oder mitnehmen? Du wirst Monate auf Online-Marktplätzen verbringen oder es machen wie wir: einfach fast alles spenden oder eben wegwerfen, einfach um noch den ein oder anderen Nerv zu sparen.
Außerdem wirst du plötzlich merken, an wie vielen Fäden dein altes Leben hängt und jeder einzelne muss durchgeschnitten werden: GEZ, Handyvertrag, Internet, Strom (Zählerstand ablesen nicht vergessen!), Streaming-Dienste. Jeder einzelne Vertrag muss gefunden und gegebenenfalls beendet werden.
Und dann sind da noch die Dinge, an die du erst denkst, wenn es fast zu spät ist: Deine deutsche Handynummer brauchst du wahrscheinlich noch für Zwei-Faktor-Authentifizierung bei Banken und Behörden-Portalen. Und für Anrufe eine VoIP-Lösung (Voice over IP, womit man über eine Internetverbindung telefonieren kann) kann die Rettung sein, wenn du mal bei Versicherungen, Ärzten oder Behörden in Deutschland anrufen musst, ohne dafür ein Vermögen an Roaming-Gebühren zu zahlen. Falls du eine Immobilie in Deutschland behältst, muss außerdem die Grundsteuer weiterlaufen.
Es ist die große Auflösung deines bisherigen Lebens. Und gleichzeitig der befreiende Startschuss für dein neues.
Dokumente: Die Zettelwirtschaft, die alles entscheidet
Klar, den Reisepass mit genug Restgültigkeit hat jeder auf dem Schirm. Das ist die Eintrittskarte. Aber das eigentliche Spiel beginnt erst danach. Es ist dieses eine Dokument, an das du nie im Leben gedacht hättest. Die beglaubigte Geburtsurkunde, die plötzlich irgendeine Behörde im neuen Land sehen will. Der internationale Führerschein, ohne den dir der Mietwagen verweigert wird. Oder der Impfpass, der über Einreise oder Quarantäne entscheidet.
Unsere Rettung war die heilige Dreifaltigkeit der digitalen Paranoia: JEDES wichtige Dokument eingescannt, verschlüsselt und dann in der Cloud, auf einem USB-Stick und zur Sicherheit nochmal lokal abgelegt (und ja: einige auch ausgedruckt).
Klingt nach Overkill? Ist es auch. Aber es ist der Overkill, der dich am Schalter einer fremden Behörde retten kann.
Vorsorge: Das Letzte, worüber man reden will
Der Bereich, den die meisten überspringen: Was passiert, wenn dir im Ausland etwas zustößt? Wer wird benachrichtigt? Gilt die Patientenverfügung auch im Ausland? Wer kommt an Konten ran? Was du brauchst: Eine sicher verwahrte Liste mit allen Logins und PINs, Vollmachten für Partner und Familie und ein Notfallpaket mit Originaldokumenten bei einer Vertrauensperson in Deutschland.
Nicht das aufregendste Thema. Aber im Ernstfall ein wichtiges. Kümmere dich drum! Danach hast du den Kopf frei für die schönen Seiten.
Alles hängt mit allem zusammen
Das Tückische an einer Auswanderung ist nicht die Menge der Aufgaben. Es ist die Reihenfolge. Die Krankenversicherung kann man nur schwerlich kündigen, bevor die internationale Police steht. Die Abmeldung macht erst Sinn, wenn man weiß, was das für Konten, Depots und Steuerpflichten bedeutet. Es ist ein System mit Abhängigkeiten. Und wer die falsche Reihenfolge wählt, verliert nicht nur Zeit und Geld, sondern einfach auch wahnsinnig viele Nerven. Eine gute Auswandern-Checkliste zeigt deshalb nicht nur, was zu tun ist – sondern in welcher Reihenfolge. Wer die Abhängigkeiten kennt, navigiert souverän durch dieses Chaos und kommt seinem großen Traum mit jedem einzelnen erledigten Punkt einen riesigen Schritt näher.
Unsere Checkliste für die Auswanderung
Häufige Fragen zum Auswandern
Wie melde ich mich in Deutschland ab, wenn ich auswandere? Du gehst zum Einwohnermeldeamt und meldest deinen Wohnsitz ab – das dauert 15 Minuten. Aber Achtung: Das ist nur der offizielle Teil. Finanzamt, Rentenversicherung, Banken und Versicherungen müssen separat informiert werden.
Muss ich meine deutsche Krankenversicherung kündigen, wenn ich auswandere? In der Regel ja – zumindest die gesetzliche. Eine Anwartschaft sichert dir aber die Möglichkeit, später zurückzukehren. Bei der privaten Krankenversicherung kommt es auf den Tarif an.
Was ist eine Anwartschaft bei der Krankenversicherung? Eine Anwartschaft sichert dir das Recht, nach deiner Rückkehr nach Deutschland wieder zu denselben oder ähnlichen Konditionen in deine Krankenversicherung aufgenommen zu werden. Das kostet einen monatlichen Beitrag, kann sich aber massiv lohnen.
Kann ich mein deutsches Bankkonto im Ausland behalten? Das hängt von der Bank ab. Manche tolerieren es, andere kündigen. Unser wichtigster Rat: Setz niemals auf nur ein Konto.
Brauche ich einen spezialisierten Steuerberater zum Auswandern? Wenn deine Situation auch nur ansatzweise komplex ist – ja, unbedingt. Ein normaler Steuerberater kennt sich selten mit internationalem Steuerrecht oder Doppelbesteuerungsabkommen aus.
Brauche ich einen Empfangsbevollmächtigten? Ja, das wäre besser. Ohne deutschen Wohnsitz brauchst du jemanden, der offiziell Post für dich entgegennimmt (vor allem von Finanzamt und Behörden). Ohne Empfangsbevollmächtigten riskierst du, wichtige Fristen zu verpassen. Du kannst auch deinen bisherigen Steuerberater als Empfangsbevollmächtigten für Unterlagen des Finanzamts bestellen.
Was passiert mit meiner deutschen Rente, wenn ich auswandere? Deine bisherigen Ansprüche bleiben bestehen. Du kannst freiwillig weiter einzahlen oder es ruhen lassen. Beide Optionen haben Konsequenzen, die du vorher durchrechnen solltest.
Kann ich meine deutsche Handynummer im Ausland behalten? Ja, aber nicht mit jedem Vertrag. Prepaid-Karten mit regelmäßiger Nutzung oder spezielle Anbieter machen es möglich. Du brauchst die Nummer vor allem für Zwei-Faktor-Authentifizierung bei Banken und Behörden-Portalen.
Gilt mein deutscher Führerschein im Ausland? Das kommt aufs Land an. In vielen Ländern wird der deutsche Führerschein für eine begrenzte Zeit akzeptiert. Ein internationaler Führerschein ist aber in vielen Fällen Pflicht.
Wir haben aus unserer eigenen Auswanderung eine Checkliste erstellt. Rund 90 Punkte, thematisch sortiert. Du steckst mitten in der Planung und weißt nicht, wo du anfangen sollst? Schreib uns! Wir kennen die Liste nicht nur in der Theorie.
Wir sind Lisa und Martin. Wir waren schon immer Weltenbummler. Irgendwann haben wir beschlossen, Deutschland zu verlassen und leben heute in Thailand.
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